latest news

Blder von/Pictures of Ptenopus kochi online! (8:10 PM, 02/23/2010)


Bilder von/Picures of Goggia rupicola online! (7:05 AM, 02/19/2010)


Neue Bilder von/new pictures of Ptenopus carpi and P. garrulus maculatus online! (6:48 PM, 02/07/2010)


Text über P. montanus (deutsch) online! (8:58 PM, 01/02/2010)


Bilder von/Pictures of Pachydactylus sp. 3 online! (10:40 AM, 11/30/2009)


Chondrodactylus bibronii SMITH 1846
Chondrodactylus fitzsimonsi LOVERIDGE 1947
Chondrodactylus turneri GRAY & 1864 186

 

Dickfingergeckos werden im Zoohandel meistens mit der Artbezeichnung Pachydactylus bibronii angeboten. Die Beziehungen von P. bibronii zu seinen nächsten Verwandten sind aber sehr kompliziert, ebenso die Geschichte der Benennung der einzelnen Taxa, also der Arten und Unterarten dieses Art-Komplexes. Im Folgenden möchte ich die unübersichtliche Lage aufzuschlüsseln, damit Sie wissen, welcher Art Ihre Pfleglinge überhaupt angehören, denn auf die Händlerbezeichnungen ist nicht unbedingt Verlass.

In den letzten Jahrzehnten gab es immer wieder widersprüchliche Meinungen zur Gültigkeit einzelner Taxa. Auch die in den letzten Jahrzehnten wesentlich verbesserten Reisebedingungen und die daraus folgenden Funde einzelner Tiere lassen an der bisherigen Einteilung dieses Art-Komplexes zweifeln. Hier ist für die Zukunft sicherlich noch mit einigen Änderungen zu rechnen.

Im Jahre 1994 wurde folgender Status akzeptiert, obwohl viele Kenner der Meinung waren, dass dieser Stand nicht befriedigend sei: Pachydactylus bibronii mit seinen Unterarten P. b. bibronii, P. b. pulitzerae und P. b. turneri; Pachydactylus laevigatus mit den Unterarten P. l. laevigatus und P. l. fitzsimonsi.

Im Jahre 1995 legte der Österreicher Gerald Benyr seine Diplomarbeit vor, in der er versuchte, diese unbefriedigende Systematik aufzuklären. In dieser ausführlichen, auf morphologischen Daten (äußere Merkmale) aufgebauten Studie untersuchte er eine Vielzahl von Museumsexemplaren dieses Art-Komplexes. Nach seinen Ergebnissen ergab sich folgender neuer systematischer Stand: Pachydactylus bibronii bleibt eine gültige Art, aber ohne Unterarten. Die ehemalige Unterart fitzsimonsi wird in den Rang einer eigenständigen Art erhoben: Pachydactylus fitzsimonsi. Die ehemaligen bibronii-Unterarten werden zu Pachydactylus laevigatus gestellt, der damit drei Unterarten hat: P. laevigatus laevigatus, P. l. pulitzerae und P. l. turneri.

Nach den Regeln der zoologischen Nomenklatur dürfen systematische Änderungen in Diplom- und Doktorarbeiten nicht anerkannt werden, da diese nur äußerst schwer zu beschaffen sind und daher eine nachvollziehbare Kontrolle der Untersuchungsmethoden und den daraus folgenden Ergebnissen nicht möglich ist. Die Ergebnisse von Benyr wurden anschließend nicht regulär veröffentlicht, sodass die darin vorgeschlagenen taxonomischen Änderungen eigentlich nicht verwendet werden dürfen.

Im Jahre 1998 erschien die Neuauflage des Feldführers der Reptilien des südlichen Afrikas von W. Branch. Dieser Feldführer verzichtet auf die Angabe von Literaturquellen, da es sich hierbei um keine wissenschaftliche Arbeit handelt, sondern Naturfreunden die Bestimmung der Reptilien im Freiland ermöglichen soll. Branch nahm aber die Ergebnisse der Diplomarbeit von Benyr an und publizierte diesen „neuen“ taxonomischen Stand in seinem Buch. Er berichtigte aber einen Fehler in der Diplomarbeit: Benyr übersah, dass das Taxon turneri Priorität über das Taxon laevigatus besitzt (turneri war zuerst von Gray 1864 beschrieben worden, Fischer beschrieb „seine“ Tiere erst 1888 als laevigatus). Damit muss der Artname also Pachydactylus turneri lauten. Somit ergibt sich nach Branch (1998), der in seinem Buch keinen Kommentar zu dieser Problematik abgab, folgender heute gültige taxonomische Stand für diesen Art-Komplex: Pachydactylus bibronii, Pachydactylus turneri mit den Unterarten P. t. turneri, P. t. laevigatus, P. t. pulitzerae sowie Pachydactylus fitzsimonsi.

Durch die Arbeit von Benyr wurde die nicht zufrieden stellende taxonomische Situation dieses Komplexes aber nur teilweise gelöst. Auch heute ist es nur schwer möglich, die Unterarten von P. turneri klar voneinander abzugrenzen. Innerhalb des großen Verbreitungsgebietes existieren viele Populationen, die sich zwar ähneln, aber doch markante Unterschiede aufweisen. Die Variation dieser Spezies ist sehr groß, wodurch eine weitere taxonomische Revision notwendig erscheint.

Befriedigend geklärt ist aber, wie sich P. bibronii von P. turneri und dessen Unterarten abgrenzen lässt. Benyrs Ergebnisse zeigen auch, dass P. turneri die Art ist, die das größte Verbreitungsgebiet dieses Komplexes besitzt. Die Tiere, die aus Kenia und Tansania nach Europa gelangen, sind also entgegen der Bezeichnung im Handel keine P. bibronii, sondern P. turneri.

Im Jahr 2005 legten Bauer & Lamp eine weitere Arbeit vor, in der sie die Verwandtschaftsverhältnisse der südafrikanischen Geckogattungen untersuchten. Diese Arbeit beruht ausschließlich auf genetische Untersuchungen. Die Ergebnisse dieser zeigen, dass sich der Pachydactylus bibronii/turneri-Komplex sehr weit von den Vertretern der Gattung Pachydactylus entfernt hat, also sich anders weiter entwickelte. Dieser Entwicklungsstatus entspricht mehr den Sandgeckos der Gattung Chondrodactylus, mit denen dieser Artkomplex nun sehr nahe verwandt ist. Aus diesen Ergebnissen folgend gehören nun alle Vertreter des bibronii/turneri-Komplexes in die Gattung Chondrodactylus.

Beschreibung und Unterschiede

Diese Geckos erreichen eine Gesamtlänge von über 20 cm und ein Gewicht von ca. 110 g. Auffällig ist der große, dreieckige Kopf und der massige, abgeplattete Körper mit den stämmigen, kräftig ausgebildeten Gliedmaßen. Auf dem Körper befinden sich 14–16 unregelmäßig angeordnete Querreihen dornig abstehender Schuppen. Der ovale Schwanz ist genauso lang wie die Kopf-Rumpf-Länge, segmentiert und besitzt große, rückwärts gerichtete, gekielte, dornige Schuppen. Die krallenlosen Finger sind – wie der deutsche Trivialname schon andeutet – relativ dick und auf der Unterseite mit nicht geteilten Lamellen bedeckt. Diese besitzen eine sehr hohe Haftkraft, die die schweren Tiere auch an senkrechten Flächen oder an einer Decke sicher hält. Die schneeweißen Haftlamellen sind sehr auffällig, da die Geckos häufig mit angehobenen Zehen an den Scheiben sitzen.

Die Grundfärbung ist recht variabel Grau, Gelblich, Rötlich, Grünlich bis Braun und dem Untergrund angepasst. Die Tiere besitzen 4–5 schwärzliche Querbinden über dem Rücken, mit zahlreichen weißlichen Flecken.

Die hier behandelten Arten und ihre Unterarten unterscheiden sich in folgenden Merkmalen (nach Loveridge 1947; Parker 1936).

 

Chondrodactylus bibronii

Auf der Oberseite des Kopfes und in der Region um das Trommelfell berühren sich die Tuberkel. Die Tuberkel auf dem Rücken sind sehr stark gekielt, auf dem hinteren Bereich des Kopfes und auf den Flanken sind sie sternförmig. Nur manchmal und nur in der hinteren Körperhälfte weisen auch die Tuberkel auf dem Rücken zusätzlich sternförmige Kiele auf. Die Schuppen der Bauchmitte sind kleiner als die weiter seitlich gelegenen.

Chondrodactylus turneri turneri

Alle Merkmale wie für C. bibronii angegeben. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Tuberkel allesamt sternförmig gekielt sind. Diese sternförmigen Kiele befinden sich oft an der Seite der Tuberkel, die zum Schwanz oder zu den Flanken hin zeigt.

Chondrodactylus turneri pulitzerae

Auf der Kopfoberseite und um das Ohr herum befinden sich nur wenige Tuberkel, die sich im Gegensatz zu den beiden vorgenannten Formen nicht berühren, sondern weit voneinander entfernt stehen. Die Rückentuberkel sind weniger stark gekielt. Die Bauchschuppen sind in der Mitte des Bauchs etwa gleich groß wie die weiter seitlich gelegenen.

Chondrodactylus turneri laevigatus

Zwischen den Rückenschuppen verlaufen Längsreihen großer, rundlicher, flacher oder schwach kegelförmiger, glatter oder schwach gekielter Tuberkel. Die Tuberkel an den Flanken sind etwas stärker kegelförmig und sternförmig gekielt.

 

Unterschiede in der seitlichen Körperbeschuppung (a = Chondrodactylus bibronii bibronii, b = Chondrodactylus turneri turneri, c = Chondrodactylus turneri laevigatus) (nach Fitzsimons, 1938).

Chondrodactylus turneri Chondrodactylus turneri
Seitliche Beschuppung von Chondrodactylus turneri turneri. Fotografiert mit einem Binocular bei 20facher-Vergrößerung eines Hautfetzens.
©
Torben Hooman
.

Verbreitung

Chondrodactylus bibronii lebt in der Republik Südafrika in der Kapprovinz und Teilen der südlichen Provinz sowie im südlichen Namibia. Chondrodactylus turneri turneri bewohnt Ruanda und Tansania südlich bis Mosambik, westlich über Malawi, Sambia, Simbabwe, Botswana, Gauteng und die nördliche Provinz (Republik Südafrika), den Oranjefreistaat bis ins kleine Namaqualand und die umgebende Kapprovinz (Republik Südafrika), Namibia und Angola. Chondrodactylus turneri pulitzerae bevölkert findet man vom nördlichen Namibia bis ins südliche Angola. Chondrodactylus turneri laevigatus ist vom kleinen Namaqualand nordwärts durch Namibia bis ins südliche Angola beheimatet. Mehrere sympatrische (gemeinsame) Vorkommen der einzelnen Arten sind bereits dokumentiert.

 
Lebensraum

Die Geckos des Chondrodactylus -turneri/bibronii-Komplexes bewohnen verschiedenste Habitate. Den hauptsächlichen und bevorzugten Lebensraum bilden Felsmassive. Hier besiedeln sie die durch Erosion entstandenen Gesteinsspalten und -ritzen, aber sie nehmen auch geeignete Verstecke unter Steinen an. Besonders geeignete Aufenthaltsorte werden auch von mehreren Individuen genutzt.

In kleineren Ortschaften, auf Campingplätzen oder an Farmgebäuden können diese Geckos auch geeignete Lebensbedingungen finden. Hier verstecken sie sich unter Dachgiebeln, in Scheunen, unter loser Rinde lebender und toter Bäume, in Brennholzstapeln oder in Müllablageplätzen. Aufgrund ihrer Fähigkeit, vom Menschen geprägte Lebensräume zu erschließen, können die Tiere auch als Kulturfolger bezeichnet werden.

In Namibia konnte der Autor die Tiere sogar in kleinsten Felsansammlungen beobachten, die völlig isoliert in der sie umgebenden Landschaft lagen, die keine geeigneten Habitate für diese Geckos enthielt. Aber auch weit von diesen isolierten Lokalitäten entfernt wurden einzelne Exemplare auf dem Boden bei der Nahrungssuche beobachtet, was die Fähigkeit dieser Spezies zeigt, auch in Habitaten, die nicht ihren Lebensbedingungen entsprechen, erfolgreich zu existieren.