Originalpublikation erschienen in SAURIA, Berlin, 2010, 32 (1): 47–54
Rhoptropus afer PETERS 1869
Habitat und Lebensweise
Der tagaktive Gecko Rhoptropus afer ist ein Endemit der nördlichen Namib. Er erreicht laut BAUER & GOOD (1996) eine Kopf-Rumpflänge (KRL) von 50,4 mm, während VISSER (1984) ein Maximum von 53 mm angibt. HAACKE (pers. Mitt.) berichtet sogar von Exemplaren in den Sammlungen des Transvaal Museums und des Staatlichen Museums Windhoek, die eine KRL von bis zu 59 mm besitzen. Der Schwanz ist kürzer als die KRL.
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Trockenfluss Kuiseb im Süden über den Kunene bis ins südwestliche Angola im Norden, wobei er kaum mehr als 60 km landeinwärts anzutreffen ist (HAACKE & ODENDAAL, 1981). Schon FITZSIMONS (1943) erwähnte ein Vorkommen im südlichen Angola, ohne jedoch einen genauen Fundort zu benennen. Auch BABOZA DU BOCAGE (1895) nannte mögliche Vorkommen in Angola. Das Transvaal Museum in Pretoria besitzt drei Exemplare (TM 40672–40674) von der Grenz- und Pumpstation Foz de Cunene, die etwa 7 km von der Küste im Inland am Kunene liegt, weiterhin ein Exemplar (TM 40699) von der Pumpstation La Crau (=Skorpion) 13 km nördlich von Foz de Cunene und drei weitere Exemplare (TM 40655–40657), die auf dem Wege nach Espinheira 25 km nordöstlich von Foz de Cunene gesammelt wurden.
Der dortige Lebensraum zeichnet sich durch karge Kiesflächen aus, die kaum Pflanzenwuchs aufweisen. Nur wenige Endemiten existieren hier. Dies sind z.B. die Talerpflanze Zygophyllum stapffii oder auch Kuntzes Brownanthus, Brownanthus kuntzei (BURKE 2004). Die Pflanzen bilden hervorragende „Wasserfänger“, denn an ihnen bleibt der morgendliche Nebel hängen und bildet Wassertropfen, die die Tiere ablecken können.
Einige Habitate bestehen auch aus einzeln umher liegenden schwarzen Doleritblöcken, die sich als Adern vom Landesinneren bis an die Küste ziehen. Diese gradlinigen Adern sind nicht mehr als 200 m breit. Am Boden liegen kleinste flache Steinscheiben, die im Höchstfall 30 x 30 cm groß sind. Den größten Teil allerdings bilden abgeplatzte Steinplättchen verschiedenster Größen. Hier lebt R. afer als tagaktiver Bodenbewohner, fast wie eine Lacertide, zusammen mit dem nachtaktiven Bellgecko Ptenopus carpi und dem großen Bodengecko Chondrodactylus angulifer ssp., während die großen Steine von Agama anchietae, Rhoptropus bradfieldi, Pachydactylus bicolor, P. sansteynae und Chondrodactylus turneri ssp. bewohnt werden (BARTS pers. Beob.). GATES (2008) erwähnt außerdem Pachydactylus scherzi, Cordylosaurus subtesselatus und Pedioplanis sp. unter Steinen im selben Lebensraum. Außerdem fiel ihm auf, dass die Tiere häufig in vegetationslosen Habitaten anzutreffen sind. In Habitaten mit Pflanzenbewuchs fand er allerdings nur wenige Exemplare, dafür aber Chamaeleo namaquensis. Er schlussfolgert daraus, dass dieses hier einen Hauptfressfeind von R. afer darstellt.
Einen weiteren Lebensraum bilden kleine Berge und Hügel, die nicht höher als 100 m sind und sich bis auf wenige Meter an die Küste reichen. Auch an den kleinen niederen Hängen, in denen wenige Felsen am Boden liegen, ist Rhoptropus afer anzutreffen. Ähnliche Habitate finden sich auch in Trockenflüssen, wo die Tiere am Fuße großer Hügel leben. Hier lebt auch Pythonodipsas carinata, welche vermutlich den Hauptfressfeind in diesem Habitat darstellt (BARTS pers. Beob.).
Obwohl die Tiere über Haftlamellen verfügen, handelt es sich um einen reinen Bodenbewohner, der allerdings gelegentlich auch auf niedrigen Steinen anzutreffen ist. Dies vor allem am Morgen, wo die Geckos Wärme aufnehmen und sich vermutlich gleichzeitig einen Überblick über ihre Umgebung verschaffen. Zur heißen Mittagszeit klettern sie ebenfalls auf Steine und stemmen den Körper hoch, um sich durch die nun wehende kühle Brise abzukühlen (ODENDAAL 1979). Im Biotop sind die Tiere extremen Temperaturen ausgesetzt. Die Vorzugstemperatur der Tiere beginnt bei 38°C (PETERSON 1990).
Rhoptrops afer besitzt kräftige, lange Hinterbeine und verlängerte Füße, die ihn zu sehr schnellen Sprints als Reaktion auf einen Feind befähigen. Dabei legt er äußerst schnell eine Strecke von 10 m und mehr zurück, um dann abrupt im offenen Gelände sitzen zu bleiben. Nun vertraut er auf seine Färbung und Zeichnung, die ihn im Lebensraum scheinbar verschwinden lässt. Auch die Fluchtdistanz beträgt nicht mehr als 1 m, was ebenfalls darauf hin deutet, dass sich die Tiere auf ihre Tarnung verlassen. Die Geckos sind im Stande, mehrere Sprints über diese Distanz hintereinander auszuführen. Wir beobachteten bis zu vier Sprints, an deren Ende die Tiere jeweils auf ihre Tarnung vertrauten, während der fünfte dann ein kürzerer war und in einem Versteck endete. Im Unterschlupf dreht sich das Tier dann mit dem Kopf zur Öffnung, um bei Bedarf schnell wieder daraus davon spurten zu können (BARTS pers. Beob.). FITZSIMONS (1938) berichtet sogar von einer rennend zurück gelegten Distanz von 100 Yards (91,5 m) und mehr, bevor die Geckos unter einem Stein oder in einem Loch Deckung suchen.
Die Tiere können als Ansitzjäger bezeichnet werden (PETERSON 1990). Ihre Nahrung im natürlichen Lebensraum besteht aus Ameisen und kleinen Käfern (BRANCH 1998), sowie Nachtfaltern, flügellosen Käfern, Hautflüglern und grabenden Wespen (FITZSIMONS 1943). Fliegen werden springend aus der Luft gefangen (GATES 2008).
Sogar der angeblich ungenießbare Punkt- oder Grasssteppenschönbär Utetheisa pulchella (LINNAEUS, 1758) wird gefressen (LOVERIDGE 1947). Aufgrund des rauen Klimas im Lebensraum von R. afer erscheint es allerdings unwahrscheinlich, dass U. pulchella dort ständig vorkommt. Wahrscheinlicher ist, dass es sich bei der Beobachtung um Tiere auf Wanderschaft in andere Habitate handelte.
Die weißen, ovalen, hartschaligen Eier sind 10,8–11,6 x 6,4–7,8 mm groß und werden paarweise unter Steinen oder großen Steinplatten abgelegt. Sie kleben an den Steinplatten, können aber auch einzeln im Sand liegen. FITZSIMONS (1943) gibt aber keine Jungtierdaten an, weshalb zu vermuten ist, dass diese Maße Gelegen abgenommen wurden, die in der Natur gefunden wurden. Obwohl diese Eimaße mit unseren Daten übereinstimmen, bleibt zu berücksichtigen, dass auch der stellenweise syntopisch vorkommende Rhoptropus bradfieldii seine Eier unter kleinen Steinen am Boden deponiert (BARTS & BALLANDAT 2009).
ODENDAAL (1979) berichtet über Ei-Funde in der Natur. Er bemerkt, dass die Eier zwar unter Steinplatten liegen, aber nur zur Hälfte vergraben wurden und die Gelege aus Einzeleiern bestehen. Während die anderen Vertreter dieser Gattung ihre Gelege immer ankleben und deren Eier auch zusammenkleben, scheint R. afer hier eine Ausnahme zu sein, da er sich wohl beider Möglichkeiten bedienen kann.

Potrait eines Männchens.
© C. Schneider.
Haltung im Terrarium
Da es sich bei R. afer um einen sehr schnellen Bodenbewohner handelt, sollte bei dessen Haltung in Gefangenschaft auch eine möglichst große Grundfläche zur Verfügung gestellt werden (SCHNEIDER pers. Beob.). Er hält ein Pärchen in einem Glasterrarium der Größe 80 x 40 x 50 cm (LxBxH), welches über ein 4 cm breites Lochblech in der Front und einen 10 cm breiten Gazestreifen im Deckel belüftet wird. Bei der Haltung in einem kleineren Terrarium wurden die Tiere überraschend oft beim Klettern an den Glasscheiben beobachtet (ECKERT mündl. Mitt.). Dieses Verhalten konnte bei der Haltung in dem beschriebenen größeren Becken nicht beobachtet werden. Allerdings zeigen auch die Tiere von MÜLLER dieses Verhalten nicht. Sie werden in Gruppen von einem Männchen und zwei Weibchen in Terrarien von 33 x 30 x 22 cm (LxBxH) gehalten, weshalb vermutlich nicht nur die Terrariengröße der Auslöser für dieses Verhalten war. Auch bei Arbeiten im Terrarium konnte oftmals die Fähigkeit der Tiere, mit Hilfe ihrer Haftlamellen an senkrechten Glasflächen zu laufen, beobachtet werden. Diese wird von den gehaltenen Tieren allerdings ausschließlich zur Flucht vor der Hand des Pflegers eingesetzt. Dabei bewegen sich die Tiere deutlich unsicherer als petricole Geckos mit Haftlamellen, was auf eine untergeordnete Rolle dieser Fähigkeit im natürlichen Lebensraum hindeutet.
Die Grundbeleuchtung besteht aus vier handelsüblichen T5 Leuchtstoffröhren mit Reflektoren, die außerhalb des Terrariums angebracht sind. Zur Schaffung hoher Temperaturen, wie sie im Habitat herrschen, wird ein 70 W Halogenmetalldampfstrahler mit UV-A und -B Anteil eingesetzt, der direkt über der Gaze abschließend an einem Ende des Beckens montiert ist. So herrschen im Mittelpunkt des Lichtkegels Temperaturen von zeitweise über 65°C. Besonders in den Morgenstunden, aber auch regelmäßig für mehrere Perioden von 10 bis 15 Minuten im weiteren Tagesverlauf, wird dieser Platz gerne zum Aufwärmen aufgesucht. Durch die einseitige Montage des Strahlers wird ein recht hohes Temperaturgefälle mit Grundtemperaturen von 20–40°C am Tag und 18–22°C in der Nacht erreicht. Die Grundbeleuchtung ist täglich für 13 Stunden in Betrieb, während der Strahler lediglich für zehn Stunden zugeschaltet wird. In den Wintermonaten wird die Beleuchtungsdauer auf neun Stunden reduziert und der Strahler lediglich über die Mittagszeit für 2 Stunden hinzu geschaltet. Die Temperaturen betragen dann nur noch 18–30°C tagsüber und sinken in der Nacht bis auf 10°C.
Die Einrichtung besteht im Wesentlichen aus flach auf dem Bodengrund aufliegenden, ca. 5 mm dünnen Schieferplatten. Unter diesen graben sich die Tiere kleine Hohlräume, die als Versteckplätze dienen. Als Bodengrund kommt Sand mit einer Körnung von 0,2–0,5 mm zum Einsatz. Ursprünglich wurde das komplette Terrarium einmal in der Woche mit Wasser besprüht, wobei zunächst keine aktive Aufnahme von Flüssigkeit durch die Tiere beobachtet werden konnte. Auch die Aufnahme von stehendem Wasser aus einem Gefäß konnte nicht festgestellt werden. Um die oben beschriebenen natürlichen Verhältnisse besser zu emulieren, kommt mittlerweile eine Beregnungsanlage zum Einsatz, deren Düsen einen feinen Sprühnebel erzeugen, der sich in Form von kleinsten Tropfen auf der Terrarieneinrichtung und den Scheiben absetzt. Diese Anlage ist alle zwei Tage 30 Minuten vor Einschalten der Beleuchtung für zehn Sekunden in Betrieb, was einer Wasserabgabe von ungefähr 10 ml entspricht. Bereits die Grundbeleuchtung sorgt dann für ein schnelles Abtrocknen des Beckens. Seit der Einführung dieser Methode konnten die Tiere dann regelmäßig beim Auflecken der feinen Wassertropfen beobachtet werden. Auf das zuvor verwendete Wassergefäß und das manuelle Sprühen wird mittlerweile verzichtet.
Die Nutzung einer zunächst provisorisch eingebauten Rückwand konnte nie beobachtet werden, weshalb eine solche ebenfalls nicht mehr zum Einsatz kommt. Des Weiteren haben die Futtertiere so keine Gelegenheit mehr, diese Rückwand zu erklettern, um sich dem Aktionsradius der Geckos zu entziehen.
MÜLLER verwendet zur Beleuchtung seiner Becken jeweils eine 9 W Kompaktsparlampe und eine weitere mit UV-A Anteil mit 8 W. Auf diese Weise werden Grundtemperaturen von 28–32°C erreicht, wobei die Spitzentemperaturen nur bei 35°C liegen. Bei ihm werden die Terrarien manuell gesprüht, jedoch werden die Tiere jedes Mal bei der Wasseraufnahme beobachtet.
NAUMBURG (schriftl. Mitt.) hielt seine Exemplare sowohl paarweise als auch in Gruppen von einem Männchen und zwei Weibchen in Terrarien von nur 20 x 40 x 20 cm (LxBxH). Die Einrichtung ähnelte der oben für SCHNEIDER beschriebenen, nur dass zusätzlich auch noch senkrechte Schieferplatten unter einem 20 W Spotstrahler eingebracht waren. Diese wurden von den Tieren regelmäßig aufgesucht, um sich unter dem Spotstrahler bei Temperaturen von bis zu 50°C aufzuwärmen. Die Grundtemperaturen betrugen hier ebenfalls 28–32°C.
Bei SCHNEIDER werden die Geckos dreimal wöchentlich mit den üblichen Futtertieren entsprechender Größe gefüttert. Diese werden regelmäßig mit einem Vitamin- und Mineralstoffpräparat (z.B. Herpetal Complete T und Herpetal Mineral) aufgewertet. Im Wesentlichen besteht das Futter aus Heimchen (Acheta domesticus), Grillen (Gryllus assimilis und G. bimaculatus), Ofenfischchen (Thermobia domestica) und Bohnenkäfern (Bruchus quadrimaculatus). Gelegentlich werden Wachsmottenlarven (Achroia grisella) zugefüttert. Heuschrecken (Schistocerca gregaria) und Schaben (Blaptica dubia) werden nur ungern angenommen. Im Falle der Heuschrecken ist dies vermutlich der Größe der im Handel erhältlichen Tiere zuzuschreiben. Da frisch gehäutete Exemplare von B. dubia durchaus angenommen werden, könnte die Abneigung gegen diese auf das relativ harte Exoskelett der Tiere zurückzuführen sein. Auch das Abwehrverhalten dieser Art, sich bei Gefahr flach auf den Boden zu drücken und damit die Aufnahme durch Fressfeinde zu erschweren, funktioniert bei einem nicht ausgehärteten Exoskelett nicht hinreichend. Erste Versuche mit einer aus Kenia stammenden Art aus der Familie Blaberidae und Oxyhaloa deusta als Futter verliefen positiv. Da diese aber erst seit kurzem von SCHNEIDER gezüchtet werden, sind noch keine Langzeiterfahrungen verfügbar. Mehlwürmer (Tenebrio molitor) werden weitestgehend ignoriert. Auch deren Käfer werden vermutlich aufgrund der Größe nicht gefressen.
Trotz ihrer geringen Größe gehören Bohnenkäfer zu den bevorzugten Futtertieren. Diese etwa 3 mm großen Käfer mit gefleckten Flügeldecken scheinen dem von BRANCH (1998) genannten natürlichen Hauptfutter am Nächsten zu kommen. Auch Ofenfischchen werden gerne angenommen. Dem gegenüber steht die Beobachtung von NAUMBURG (schriftl. Mitt.), dass seine Tiere bevorzugt größere Futtertiere erbeuteten. Er führte dieses Verhalten auf das geringe Futterangebot im natürlichen Lebensraum von R. afer zurück, verfütterte allerdings auch nahezu ausschließlich Heimchen und Kurzflügelgrillen (Grillus sigillatus).
Die Futtertiere werden nach einem schnellen Sprint aus dem Stand erbeutet, ausgiebig und schnell zerkaut und abgeschluckt. Nach Erbeuten eines größeren Futtertieres ziehen sich die Tiere gerne in ein Versteck zurück (SCHNEIDER pers. Beob.).

Männchen mit Schwanzregenerat und Weibchen im Terrarium.
© C. Schneider.
Verhalten
R. afer zeigt sich bei SCHNEIDER als ein sehr scheuer Terrarienbewohner, der schon bei leichter Störung sofort in sein Versteck flüchtet. Dabei entwickeln die Tiere eine beachtliche Geschwindigkeit. Auffällig ist, dass sich das Weibchen bei Störung häufiger und schneller in ein Versteck zurückzieht als das Männchen. Erreichen die Tiere ein Versteck, wenden sie sich unverzüglich wieder dessen Öffnung zu, was ihnen einen sofortigen Sprint aus dem Versteck heraus erlaubt. Dieses scheue Verhalten zeigt sich in der Haltung von MÜLLER nicht. Bei vorsichtigem Hantieren im Becken bleiben die Tiere hier ruhig sitzen oder wechseln ohne große Eile den Standort. Vereinzelt ist sogar das Füttern der Tiere von der Pinzette möglich. Dieser Unterschied im Verhalten beruht vermutlich auf der Art der Unterbringung. Während die Tiere bei SCHNEIDER in einem separaten Terrarienraum im Keller untergebracht sind und dort nur selten gestört werden, befinden sie sich bei MÜLLER in einem Wohnraum und scheinen demzufolge an die Anwesenheit von Menschen habituiert zu sein.
Die Tiere sind den ganzen Tag über aktiv, verbringen aber stets längere Zeit bewegungslos an einem Platz, was ihrer Jagdweise entspricht. Jede Bewegung im und außerhalb des Terrariums wird genau beobachtet. Das Männchen bevorzugt bei SCHNEIDER leicht erhöhte Plätze und stemmt dabei seinen Oberkörper hoch. Er bezweifelt, dass dieses Verhalten im Terrarium der Thermoregulation dient. Die von ODENDAAL (1979) beschriebene Thermoregulation steht in engem Zusammenhang mit den im Habitat vom Meer aus herein ziehenden Winden, welche in dem oben beschriebenen Terrarium selbstverständlich nicht auftreten. Vielmehr vermutet er, dass dies Bestandteil des Territorialverhaltens von R. afer ist, da beim Weibchen kein vergleichbares Verhalten beobachtet werden kann. MÜLLER konnte ein vergleichbares Verhalten bei seinen Tieren nicht beobachten. Es muss allerdings erwähnt werden, dass diese Frage hier nicht abschließend geklärt werden kann, da hierzu weitere Beobachtungen von Nöten wären.
Bei SCHNEIDER verbringen die Tiere die Nacht in ihren Verstecken unter den Schieferplatten. Bevorzugt wird hierzu die Platte unter dem genannten Strahler, da diese noch lange Wärme abgibt. Interessant ist die Beobachtung, dass die Tiere nachts immer ein gemeinsames Versteck aufsuchen. Um diesem Umstand genauer auf den Grund zu gehen, wurde der bevorzugte Versteckplatz unter dem Strahler aus dem Becken entfernt und weitere Verstecke an kühleren Stellen angeboten. Auch wenn die Versteckplätze nun täglich wechselten und keine Bevorzugung mehr auszumachen war, waren die Tiere dennoch stets gemeinsam anzutreffen. Mittlerweile wurde der Versteckplatz unter dem Strahler wieder zur Verfügung gestellt und von den Tieren auch sofort wieder angenommen.
Bei MÜLLER zeigen die Tiere ein etwas anderes Verhalten. Zwar beobachtete auch er, dass die Tiere oft engen Körperkontakt suchen, allerdings verbringen bei ihm die Männchen die Nacht auf dem Platz, an dem sie sich tagsüber sonnen, während dies bei den Weibchen nur selten vorkommt.
Männchen dieser Art sind untereinander unverträglich und verwickeln sich binnen kürzester Zeit in Kämpfe (MÜLLER pers. Beob.). Die paarweise Haltung sowie die Haltung in Gruppen von einem Männchen und zwei Weibchen gestalten sich hingegen problemlos, und es konnten keine Streitigkeiten oder territorialen Auseinandersetzungen beobachtet werden.
NAUMBURG (schriftl. Mitt.) berichtet ferner über eine erfolgreiche Vergesellschaftung mit Rhoptropus bradfieldi, die sich im Gegensatz zu R. afer ausschließlich an senkrechten Schieferplatten aufhielten. Eine gegenseitige Störung der beiden Arten konnte nicht beobachtet werden. Aus der Vergesellschaftung mit Pachydactylus mariquensis latirostris und P. monicae ergaben sich ebenfalls keine Probleme (MÜLLER pers. Beob.)

Weibchen dieser aussergewöhnlichen Art.
© C. Schneider.
Vermehrung
Den Autoren ist keine regelmäßige Nachzucht unter Terrarienbedingungen bekannt. Bereits die sichere Geschlechtsbestimmung bereitet erhebliche Probleme, da die Männchen weder über Präanalporen verfügen, noch außerhalb der Paarungszeit sichtbar verdickte Hemipenistaschen besitzen. Letztere sind offenbar nur sichtbar, wenn die Tiere hormonell sehr aktiv sind. MÜLLER bemerkte einen möglichen Sexualdichromatismus. Nach seiner Vermutung zeigen die Männchen eine dunkle, graue bis olivgrüne Grundfärbung, während Weibchen eine hellere, braune bis olivgrüne Grundfarbe annehmen. Da die Färbung der Tiere allerdings abhängig von der Temperatur stark variiert, ist dieses Merkmal nicht jederzeit sichtbar. Diese Variation trifft auch auf die Tiere von SCHNEIDER zu. Ob der vermutete Sexualdichromatismus tatsächlich existiert, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht klären, da hierzu weitere Beobachtungen und vor allem mehr Vergleichstiere nötig wären. SCHNEIDER stützte seine Vermutung bezüglich des Geschlechts ursprünglich auf das oben beschriebene, mögliche Territorialverhalten des Männchens. Eine sichere Geschlechtsbestimmung seiner Tiere konnte erst im Juni 2009 erfolgen, als eine Paarung beobachtet wurde. Diese erfolgte in der für Geckos typischen Weise. Die Tiere fühlten sich jedoch bereits durch die Anwesenheit des Pflegers so stark gestört, dass sie die Paarung abrupt abbrachen. Nach diesem Abbruch war das Männchen nicht mehr in der Lage, seinen Hemipenis einzuziehen. Da auch noch nach einigen Stunden keine Veränderung des Zustands feststellbar war, wurde das Tier separiert und auf feuchtes Küchenpapier gesetzt. Der Hemipenis wurde von dem Tier anfangs und auch während der Quarantäne regelmäßig ausgiebig sauber geleckt. Bei der Untersuchung durch SCHNEIDER zeigte die zweite Hemipenistasche eine deutliche Schwellung, was die Vermutung bestätigte, dass die Tiere bei hormoneller Aktivität durch geschwollene Hemipenistaschen zu bestimmen sind. Letztendlich war eine veterinärmedizinische Versorgung notwendig, um den Hemipenis wieder in seine korrekte Lage zu bringen. Dazu wurde das Tier narkotisiert und der Hemipenis mit Hilfe einer Sonde in die Hemipenistasche zurückgeschoben. Diese wurde abschließend vernäht. Nach einer Woche wurden die Fäden gezogen, und die Kontrolluntersuchung ergab einen positiven Heilungsverlauf. Ein paar Wochen später wurde das Tier wieder zum Weibchen gesetzt; allerdings konnte keine weitere Paarung beobachtet werden.
Nach der Paarung setzte das Weibchen drei Gelege ab, wobei das erste Gelege aus einem Ei und die beiden folgenden aus jeweils zwei Eiern bestanden. Das erste Gelege wurde bereits 7 Tage nach der beobachteten Paarung abgesetzt und stand vermutlich nicht im Zusammenhang mit dieser. Die beiden weiteren Gelege wurden in Abständen von fünf bis sechs Wochen abgesetzt. Die hartschaligen Eier maßen 11–12 x 8–9 mm und wurden immer lose unter derselben Schieferplatte abgelegt. Hierbei handelte es sich auch um den oben beschriebnen bevorzugten Schlafplatz der Tiere, an dem tagsüber Temperaturen von bis zu 35°C herrschen. In der Nacht sinken die Werte hier auf bis zu 19°C.
Die Eier wurden in einen Inkubator überführt und bei einer konstanten Temperatur von 28°C gezeitigt. Zwei der Eier schimmelten bereits nach wenigen Tagen und auch die restlichen waren offensichtlich unbefruchtet. Ein Zusammenkleben der Eier wie es beispielsweise RÖLL (2006) für Rhoptropus barnardi beschrieb, kam hier bei keinem der Gelege vor. Andererseits wurde bei MÜLLER ein Gelege frei auf einem Felsvorsprung abgelegt, welche aus zwei aneinander klebenden Eiern bestanden. Eines der Eier wurde beim Entfernen aus dem Terrarium beschädigt. Das verbliebene Ei wurde in einen Inkubator überführt. Ob es sich um ein befruchtetes handelt, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden.
Auch NAUMBURG (schriftl. Mitt.) berichtet von mehreren unbefruchteten Gelegen, die ebenfalls nie zusammenklebten. Allerdings wurden die Gelege bei ihm offen im Sand abgelegt.
Im Terrarium verbliebene Wachseier werden nicht gefressen.

Lebensraum von Rhoptropus afer in der Küste Namibias.
© M. Barts.
Fazit
Rhoptropus afer ist aufgrund seines Verhaltens und seiner ungewöhnlichen Lebensweise ein sehr interessanter Pflegling. Sein Verhalten und vor allem die Schwierigkeiten bei der Vermehrung werfen noch viele Fragen auf und erfordern mit Sicherheit noch einige Jahre der Pionierarbeit. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass es bislang keine veröffentlichten Erfahrungen zur Haltung der Art gibt und eventuell anderweitig gewonnene Erfahrungen mit der Zeit verloren gehen. Dem soll dieser Artikel Abhilfe schaffen. Für einen Erfahrungsaustausch mit ehemaligen und gegenwärtigen Haltern von R. afer stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.

Rhoptropus afer im natürlichen Lebensraum.
© M. Barts.
Literatur
BABOZA DU BOCAGE, J.V. (1895): Herpétologie d’Angola et du Congo. – Lisbonne (Imprimerie Nationale), 203 S.
BARTS, M. & BALLANDAT, S. (2009): Rhoptropus bradfieldii HEWITT, 1935, Bradfield's Namib Gecko, Reproduction. – African Herp News, Durban, 47: 39–40.
BAUER, A.M. & GOOD, D.A. (1996): Phylogenetic systematics of the day gecko, genus Rhoptropus, of south-western Africa. – J. Zool. London, 1996 (238): 635–663.
BRANCH, B. (1998): Field guide to the snakes and other reptiles of southern Africa – Cape Town (Struik Publ.), 267 S.
BURKE, A. (2004): Pflanzenführer für die Zentrale Namib. – Windhoek (Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft), 112 S.
FITZSIMONS, V.F.M. (1938): Transvaal Museum Expedition to South - West Africa and Little Namaqualand, May to August 1937. Reptiles and Amphibians. – Ann. Transvaal Mus., Pretoria, 19 (2): 153–209.
— (1943): The Lizards of South Africa. – Transvaal Mus. Mem., 1, Amsterdam (Swets & Zeitlinger – Reprint 1983): 1–528.
GATES, B. C. (2008): Day geckos of the Namib Desert: Rhoptropus afer PETERS, 1869 and Rhoptropus bradfieldi HEWITT, 1935. – Gekko, Spencer, 5 (2): 2–5.
HAACKE, W. D. & ODENDAAL, F. J. (1981): The distribution of the genus Rhoptropus (Reptilia, Gekkonidae) in the central Namib Desert. - Madoqua, Windhoek, 12: 199–215.
LOVERIDGE, A. (1947): Revision of the African Lizards of the Family Gekkonidae. – Bull. Mus. Comp. Zoöl., Cambridge, 98: 1–470.
ODENDAAL, F. J. (1979): Notes on adaptive ecology and behaviour of four species of Rhoptropus (Gekkonidae) from the Namib Desert with special reference to a thermoregulatory mechanism employed by Rhoptropus afer. - Madoqua, Windhoek, 2: 255–260.
PETERSON, C.C. (1990): Paradoxically low Metabolic Rate of the diurnal Gecko Rhoptropus afer. – Copeia, Lawrence, 1990 (1): 233–237.
RÖLL, B.(2006): Barnards Namib - Taggecko - Rhoptropus barnardi – Art für Art. Taggeckos 8. Münster (Natur - und Tier Verlag), 64 S.
VISSER, J. (1984): Akkedisse van Suider-Afrika 12. Namib-daggeitjies wat die rotse bewoon. – Landbou Weekblad, 330: 48–53.
Originalbeschreibung
PETERS, W.C.H. (1869): Über neue Gattungen und Arten von Eidechsen. — Mber. Königl. Akad. Wiss. Berlin, 1869: 59. — Terra typica: Africa australis.
Schnauze abgeplattet breit und abgerundet. Die Nasenlöcher öffnen sich jederseits hinter einem Ausschnitte des breiten Rostrale und sind von drei oder vier Schüppchen umgeben, welche in ihrer Gestalt und Gröfse bei demselben Individuum variiren und nach aufsen an das 1. Supralabiale stofsen; 10 bis 11 Supralabialia. Das Mentale und das daranstofsende Infralabiale jeder Seite sehr lang, aber, wie bei Ptyodactylus Hasselquistii bei verschiedenen Individuen von verschiedener Ausdehnung; 8 bis 9 Infralabialis. Submentalgegend mit kleinen polygonalen Schüppchen bekleidet, welche allmählig nach der Kehle hin an Gröfse abnehmen und etwas gröfser sind als die glatten Schüppchen der Brust, des Bauches und der untern Seite der Schenkel. Die convexen Schüppchen der Schnauze erscheinen ebenfalls gröfser als die gleichförmigen des Rückens, welche, obgleich sehr klein, diejenigen der Körperseiten noch an Gröfse übertreffen. Die Pupille ist senkrecht, das ringförmige rudimentäre Augenlid am oberen Rande breiter. Die ziemlich weite Ohröffnung ist länglich und wird oben durch eine schmale Hautfalte verdeckt.
Der Schwanz ist etwas abgeplattet und an den Seiten abgerundet. Er ist glatt, mit gleichförmigen Schuppen bekleidet, welche kaum gröfser als die der Submentalgegend sind. Bei einem männlichen Exemplar sind die Schuppen der untern Seite zu unregelmäfsigen breiten Querschildern verschmolzen.
Die vordere Extremität ragt fast mit der ganzen Hand über die Schnauze hinaus; alle fünf Finger sind von gleicher Form, ander Basis verschmälert, während ihre Endhälfte länglich oval verbreitert ist; die ganze Unterseite ist mit Querlamellen versehen, während auch die Rückseite derselben eine mittlere Reihe von Querschuppen zeigt, von denen die letzte grofse die Form eines Plattnagels hat; alle Finger haben eine äufserst kleine, nur durch eine starke Loupe sichtbare Kralle; der 1. und 5. Finger sind gleich lang, nur wenig kürzer als der zweite, welcher um eben so viel kürzer ist als der vierte, im Vergleich zu dem längsten Mittelfinger. Die hintere Extremität reicht bis an die Schulter. Die Zehen haben denselben Bau wie die Finger; sie nehmen von der ersten bis zur dritten, welche am weitesten vorspringt, an Länge zu, während die vierte Zehe kaum länger als die fünfte ist. Schenkel- und Analporen fehlen.
Die Oberseite ist olivengelb oder olivengrün, einfarbig oder mit kleinen zerstreuten dunkeln Flecken, welche vom Nacken bis zur Schwanzbasis etwa 12 Querreihen bilden. Auf der Aussenseite der Extremitäten finden sich ähnliche kleine Flecke, während die ganze Unterseite grünlichweifs ist.
Totallänge 0m,135; Kopf bis Ohröffnung 0m,014;Schnauzenspitze bis Analöffnung 0m,052; Vorderextr. 0m,025; Mittelfinger 0m,0055; Hinterextr. 0m,030; vierte Zehe 0m,0065.
Mehrere Exemplare dieser Art wurden von J. Wahlberg im Damaralande gesammelt und befinden sich im Museum zu Stockholm.
Note sur un nouveau genre de Reptile de la Famille des Geckotiens. — Bull. Soc. Philom. Paris (Ser. 7), 2 : 254 – Terra typica : aux environs du Lac N'Gami, Botswana
Description. — Langue libre depuis son extrémité antérieure jusque vers le milieu. Mâchoire supérieure garnie d'environ cinquante dents, implantées sur le rebord de l'os; cinquante-cinq à soixante dents à la mandibule; ces dents sont relativement fortes, coniques et presque pointues. Sept plaques à la mâchoire supérieure; huit plaques à la mandibule; plaques mentonnières au nombre de trois, formant une surface pentagonale par leur ensemble; écailles gulaires allant en diminuant de grandeur à partir des plaques mentonnières; plaques de l'abdomen, ainsi que celles des cuisses et des jambes, grandes et de forme hexagonale; écailles du dos très-petites, sensiblement hexagonales.
Longueur de la tête contenue six fois et trois quarts dans la longueur totale du corps, sa plus grande largeur ayant à peu près la moitié de la distance comprise entre le bout du museau et la naissance de l'épaule. Membres longs et grêles; bras de même longueur que l'avant-bras; cuisse plus longue d'un quart que la jambe; doigts en forme de spatule, au nombre de cinq à chaque membre. Dessous des doigts garni de cinq lamelles non divisées par un sillon longitudinal et n'étant pas disposées en chevron, ainsi qu'on le remarque chez quelques genres de la famille; lames garnies à leur bord postérieur d'un grand nombre de petites franges leur donnant l'aspect d'un feutrage.
Malgré toute l'attention apportée à l'examen des doigts, nous n'avons pu savoir si les ongles existaient, ou non; nous avons toutefois constaté la présence d'une sorte de gaine qui semble destinée à les protéger.
Le dessus des doigts est recouvert de sept plaques, qui toutes ont une forme différente.
La queue, qui est très-grêle et plate vers son extrémité, est de même longueur que l'espace compris entre le bord du cloaque et l'extrémité du museau.
Il n'existe de pores ni au cloaque ni aux cuisses.
Dimensions. — Longueur totale 0m,612; de la queue, 0,056; du tronc 0,037; de la tête 0,016; du cou 0,003; largeur entre les yeux 0,002.
Coloration. — Le dessus du corps est d'un vert-olivâtre et porte des marbrures noirâtres sur le dos; près de la naissance des cuisses se voient trois petites taches noires, disposées en travers; l'on aperçoit sur les membres des bandes en chevron d'un brun roussàtre; la queue est annelée de noir; le ventre est d'un blanc jaunâtre. Ce Geckotien a été trouvé aux environs du Lac N'Gami.
Dactychilikon braconnieri Thominot, 1878
Synonym:
Supra olivaceoflavidus vel olivaceoviridis fuscomaculatus, subtus viridialbus.
Originalpublikation erschienen in SAURIA, Berlin, 2010, 32 (1): 47–54