Pachydactylus bicolor HEWITT 1926
Pachydactylus bicolor ist ein Endemit des nordwestlichen Namibias. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Namib-Naukluft Park in der Zentral-Namib, durchs Damaraland und Kaokoveld. Im Norden erreicht es den (Fluss) Kunene, im Westen stößt es in geeigneten Habitaten bis an die Küste

Habitat an der namibischen Küste.
P. bicolor ist ein Felsspaltenspezialist und bewohnt felsige Habitate (z.B. Erongo-Gebirge und Spitzkoppe) sowie lose am Boden liegenden Felsen auf Ebenen. Erstaunlich sind die wenigen, isolierten Fundorte entlang der Küste. Die Landschaft besteht hier aus flachen, fast vegetationslosen Kies/Sand-Flächen. Vereinzelt existieren kleine steinige Hügel. Hier leben die Tiere an großen Gesteinsbrocken, an denen sich kleine flache lose Stücke abschälten, unter denen sich die Geckos verbargen. Auch unter abgebrochenen, am Boden liegenden Splittern konnten Tiere angetroffen werden. Diese großen Gesteinsbrocken bildeten einen ca. 300-500 m breiten Streifen, der sich ins Landesinnere zog und den Tieren vermutlich somit einen Weg an die Küste bereitete. In diesen Habitat lebten sie sympatrisch mit dem nachtaktiven Gecko Chondrodactylus turneri laevigatus und den tagaktiven Geckos Rhoptropus afer und Rhoptropus bradfieldi. Durch die kleineren und flacheren Körpermaße können sie flachere Spalten als die gößeren Geckos benutzen und sind deshalb relativ sicher vor ihnen.
Über mehrere Jahre wurden verschiedene Pärchen der Art gehalten. Pachydactylus bicolor ist ein flinker Gecko. In einem Lebensraum, der nur aus vereinzelten größeren Steinen bestand, konnten wir beobachten, dass ein unter einem Stein aufgescheuchter Gecko diesen niemals verließ. Während der Stein mehrfach um seine Achse gedreht wurde, flüchtete der Gecko stattdessen immer auf die dem Beobachter abgewandte Seite. Dieses Verhalten konnten wir allerdings nicht in solchen Felshabitaten (z.B. an der Spitzkoppe) beobachten, in denen eine Vielzahl von geeigneten Versteckmöglichkeiten existierte.

Männchen der Küstenpopulation.

Pachydactylus bicolor aus Kamanjab, Namibia.
© J. Marais.

Halbwüchsiger Pachydactylus bicolor aus Kamanjab, Namibia.
© J. Marais.
Wie alle Vertreter seiner Gattung ist auch P. bicolor nachtaktiv. Seine Aktivitätszeit im Terrarium beginnt kurz nach Ausschalten der Beleuchtung. Gegen Mitternacht konnte keine Aktivität mehr festgestellt werden. Allerdings gewöhnen sich die Tiere im Terrarium an den Pfleger und können dann auch tagsüber bei ihren Aktivitäten, wie z.B. Fressen und Trinken beobachtet werden.
Paarungsbiss bei Pachydactylus bicolor. Foto: F. Müller
Ab dem europäischen Frühjahr wurden bei guter Fütterung 3-5 Gelege pro Weibchen innerhalb von 8 Monaten im losen Sand vergraben.
Weibchen bei der Eiablage. Foto: F. Müller

Gelege von Pachydactylus bicolor.
Die Gelege wurden in kleinen Behältern auf Sand gebettet und separat von anderen Geckogelegen gezeitigt, um eine genaue Datenaufzeichnung zu gewährleisten. Hierzu fand eine Jäger Kunstglucke Verwendung, in der Temperaturen von 25-27°C (nachts) und 28-30°C (tags) herrschten. Befruchtete Eier werden 2-4 Tage nach der Ablage rosarot bis rötlich. Im Verlauf der Entwicklung verschwindet diese Färbung, und die Eier werden dunkler. Nach 86-88 Tagen (n=2) schlüpften die Jungtiere. Diese maßen 15-16,9 mm KRL (durchschnittlich 15,95 mm [n=4]) und 14,8-15,3 mm Schwanzlänge (durchschnittlich 15,1 mm [n=4]).

Schlüpfling der Inlandpopulation.

Schlüpfling der Küstenpopulation.
Zur Aufzucht verwenden wir Terrarien mit einer Kantenlänge von 25-30 cm, die die gleichen Temperaturbedingungen und Einrichtung aufweisen, wie die künstlichen Lebensräume der Alttiere. Diese wurden mit nie mehr als drei Jungtieren besetzt. Bei größeren Gruppen überlebten meistens unterdrückte Tiere nicht. Optimal ist eine Einzelaufzucht. Die Jungtiere erhaten alle 2-3 Tage die üblichen Futtertiere in entsprechender Größe.
5 Monate altes Jungtier der Küstenpopulation.
Beschreibung
Pachydactylus bicolor ist ein kleiner, graziler, abgeplatteter Gecko. Bei einem erwachsenen Männchen von Kamanjab (Namibia) wurde eine Kopf-Rumpf-Länge (KRL) von 45 mm gemessen (FITZSIMONS 1943). Ein beim Senior-Autor vermessenes 5 Jahre altes Männchen unbekannter Herkunft maß 37,3 mm KRL bei einer Schwanzlänge (SL) von 42,8 mm. Der Kopf ist abgeplattet, etwas länger als breit und deutlich vom Rumpf abgesetzt. Die Ohröffnung ist oval und liegt diagonal. Die flachen, glatten Körnchenschuppen auf der Schnauze sind größer als jene auf dem Hinterkopf. Die Nasorostralia stehen miteinander in Kontakt. Das Nasenloch ist vom Rostrale und dem ersten Labiale getrennt. Das Rostrale ist 1¾-mal so breit wie hoch. Das obere Schnauzenschild ist so breit wie die angrenzenden Lippenschilder. Die Maulspalte wird von 7-9 (meistens 8) oberen und 6-8 (meistens 7) kleineren unteren Labialia begrenzt und die Schnauze ist 1½-mal so lang wie der Augendurchmesser. Zwischen den Augen befinden sich kleinste, flache, homogene Schuppen. Das Mentale ist rechteckig, viel schmaler als die Basis der unteren Labialia und nach hinten leicht verjüngt.
6 Monate altes Jungtier der Inlandpopulation.
Die Adulti sind sehr variabel und ihre Färbung verändert sich entsprechend ihres Gemütszustandes sowie den Temperatur- und Lichtverhältnissen und dem Untergrund, auf dem sie sich gerade aufhalten. Auch die Musterung und Färbung sind je nach geografischer Herkunft variabel. Die Grundfarbe der Alttiere ist graubraun bis dunkelbraun. Gelegentlich sind hellgelbe Bereiche sichtbar, die in unregelmäßigen Streifen oder Bändern angeordnet sind. Über den gesamten Körper sind kleine,
Originalbeschreibung / Original description
HEWTT, J. (1926): Some new or little known reptiles and batrachians from South Africa. — Ann. S. Afr. Mus., 20: 477, Plate XLIV, fig. 4 — Terra typica: Kaross, in the Kaokoveld, S.W.A., by Mr. E. F. Lawrence
Types.—Two specimens in the collection of the South African Museum (No. 17297), collected at Kaross, in the Kaokoveld, S.W.A., by Mr. E. F. Lawrence. These specimens are possibly immature and their characters a little uncertain, but the very striking colour pattern seems to warrant a distinctive name for the form, especially as there are minor structural peculiarities—the number of labials, etc.
The characters are as follows: Nasorostrals in contact, nostril well separated from rostral and first labial, rostral twice as broad as high, 8 upper labials, 7 quite distinct lower labials, snout scarcely more than 11/2 times as long as the eye; scales on the snout twice as large as those on occiput; a swelling above the loreal region on each side of the snout; symphysial shield nearly twice as long as broad ; ventral scales larger than the dorsals ; a circular area just in front of the vent with considerably enlarged scales, which are separated by much smaller scales from the strip of enlarged scales under each thigh ; dorsal scales not very strongly flattened; distal expansion of digits with 5 adhesive lamellae, the most distal lamella smallest and divided in the middle ; scales along the middle of the digit inferiorly all transversely enlarged.
Colour.—Head above greyish white, with some dark mottlings, and surrounded by an elliptical blackish stripe which arises at the nostril and passes backwards through the eye on each side and around the back of the occiput; this stripe is bordered behind by a white stripe arising on the upper lip and broadening a little over the neck; fore-limbs and greater portion of dorsal surface of body quite black, but changing suddenly to greyish white over the lumbar region; a dark transverse patch or band between the hind-limbs dorsally ; hind-limbs and base of tail greyish white, the tail with faint dark cross stripes.
Length from snout to vent 25 mm. ; tail imperfect.
Mr. Lawrence informs me that he noticed this gecko at other localities (Warmbad and Caimaeis), and that all specimens seen were similar in colour and size to those above described. They were found under logs or amongst decaying leaves.
Dr. Werner has given some notes on the coloration of the young of the related species, brunnthaleri, from which it is evident that the form now described cannot be referred to that species. It is, however, possible that fully adult specimens may be differently marked from the types : that such is the case in purcelli was pointed out by Methuen and myself in AnnalsTransvaal Museum, Vol. IV, p. 132, fig. 15, 1913. P. serval Wern., from Chamis in Great Namaqualand, seems to differ in the higher rostral and the greater number of subdigital lamellae (6), as well as in coloration, but the characters of immature specimens are unknown.
Lastly, P. pardus Sternf., from Warmbad, the only other western species of this group, differs in the greater number of labial shields (10-11 and 9) and in the rostral entering the nostril. Although the type locality is not more fully indicated, I presume that the particular Warmbad is that in the south of Great Namaqualand.