Pachydactylus fasciatus 1888
Pachydactylus fasciatus ist ein Endemit des nördlichen Namibias. Die Verbreitung erstreckt sich vom südlichen Kaokoveld bis in den Karibib Distrikt. Die Art lebt in ariden Savannenlandschaften mit einer Vegetation aus Mopane-Büschen (Colophospermum mopane), Schwarzdorn (Acacia melifera) und Karoo-Namib-Gebüsch. Hier halten sich die Geckos tagsüber unter den vereinzelt auf dem sandigen Boden liegenden Steinen und in engen Steinspalten auf (Bauer 1991). Das Klima dieses Lebensraumes wird von Temperaturextremen geprägt. Die Klimadaten des Ortes Tsumeb am Rande des Verbreitungsgebietes erreichen im Sommer Tageshöchstwerte von 55°C und in der Nacht minimal 10°C. Die Wintertemperaturen liegen tags bei maximal 45°C und nachts bei minimal -4°C. Der jährliche Niederschlag beträgt 200-450 mm (Höller & Stranz o.J.).

Lebensraum von Pachydactylus fasciatus. NW-Namibia.
© M. Barts
Der gleiche Lebensraum beheimatet nach Bauer (1991) auch Pachydactylus punctatus, P. bicolor und P. turneri. Gemeinsame Gelege von P. fasciatus und P. punctatus wurden sogar unter einem Felsbrocken gefunden (Bauer et al. 1993).
Verhalten, Haltung und Vermehrung
Der Gebänderte Dickfingergecko ist wie alle Vertreter der Gattung nachtaktiv. Seine Aktivitätszeit im Terrarium beginnt kurz nach dem Ausschalten der Beleuchtung. Gegen Mitternacht konnte keine Aktivität mehr festgestellt werden. Die Tiere können trotzdem auch tagsüber häufig beim Sonnen, Fressen und Trinken beobachtet werden. Während der Fortpflanzungszeit werden von beiden Geschlechtern kurze Rufe ausgestoßen. Beim Einfangen der Tiere im Terrarium konnten regelmäßig Quietsch- und Piepslaute wahrgenommen werden (vgl. Mertens 1946), welche sich jedoch von den zuvor genannten unterscheiden. Bei Jungtieren konnte bisher keine Lautäußerung wahrgenommen werden. Die Geckos häuten sich alle 4-6 Wochen. Die alte Haut wird dabei möglichst im Ganzen abgestreift und gewöhnlich von den Geckos verzehrt. Übrig gebliebene vereinzelte Hautfetzen werden jedoch nicht mehr gefressen.

Adultes Männchen von Pachydactylus fasciatus mit sich auflösender Bänderzeichnung.
© M. Barts

Adultes Weibchen von Pachydactylus fasciatus im Terrarium.
© M. Barts
Zwei Pärchen der Art wurden über 5 Jahre in separaten Terrarien gepflegt. Eine Haltung von einem Männchen und zwei bis drei Weibchen ist möglich, da die Weibchen untereinander keinerlei Rivalität zeigen (Swatek in litt.). Die vom Autor für P. fasciatus verwendeten Terrarien, deren Größe, Einrichtung, Beleuchtung und die dadurch erzielten Haltungstemperaturen entsprechen den bereits für P. tsodiloensis gemachten Angaben (Barts, Boone & Hulbert 2001). Die meisten Pachydactylus-Arten lassen sich unter ähnlichen Terrarienbedingungen halten und zur Fortpflanzung bringen. Die Geckos bekommen das übliche Terrarienfutter (Drosophila, Heimchen, Grillen, Heuschrecken und Mehlkäfer) in entsprechender Größe. Jedes angebotene Futtertier wird mit Mineral- und Vitaminpräparaten (z.B. Korvimin ZVT®) bestäubt. Einmal pro Woche wird im Terrarium gesprüht. In unregelmäßigen Abständen werden dem Sprühwasser auch Vitaminpräparate, z. B. Multi-Mulsin® beigemischt.

Trächtiges Weibchen von Pachydactylus fasciatus. NW-Namibia.
© M. Barts
Im europäischen Frühjahr wurden bei guter Fütterung pro Jahr 4 bis 6 Gelege pro Weibchen in lockerem Sand vergraben. 80% der beim Autor abgesetzten Gelege bestanden aus 2 Eiern; in den restlichen Fällen wurde nur ein Ei abgelegt. Die ovalen Eier sind weiß und messen 8,8-9,5 x 10,2-12 mm (durchschnittlich 10,9 x 8,9 mm, n = 20). Die Stärke der Eischalen beträgt durchschnittlich 33 Mikrometer (RöLL 2001). Bei einem im Biotop unter einem Stein gefundenem Gelege (bauer et al. I.e.) hatten die Eier die Maße 11,3 x 9 bzw. 11,5 x 8,9 mm. Diese Maße entsprechen den im Terrarium gewonnenen Daten.

Gelege von Pachydactylus fasciatus.
© M. Barts
Die Eier wurden in einen Inkubator (Jäger Kunstglucke) überführt und bei 25-28°C (nachts) und 30-32°C (tags) bebrütet. Die Jungen schlüpften nach einer Inkubationszeit von 48 bis 72 Tagen (durchschnittlich 56,3 Tage, n=14). Die Schlüpflinge maßen 18,7 bis 21,4 mm Kopf-Rumpf-Länge (durchschnittlich 20,2 mm, n - 12) und 19,4 bis 25,6 mm Schwanzlänge (durchschnittlich 22,5 mm, n - 12). Es ist ratsam, die Gelege in kleinen Behältern separat zu zeitigen, da Schlüpflinge beim Umherlaufen im Inkubator leicht andere Eier umherrollen, wodurch deren Embryos absterben könnten.
Schlupf von Pachydactylus fasciatus. © M. Barts

Frisch geschlüpftes Jungtier von Pachydactylus fasciatus.
© M. Barts
Beim Verfasser werden zur Aufzucht Terrarien mit 25 cm Kantenlänge oder 20 x 25 x 30 cm (L x B x H) verwendet, die mit nicht mehr als drei Tieren pro Terrarium besetzt werden. Bei größeren Gruppen bleibt durch psychischen Druck meistens ein Tier auf der Strecke. Bei einer Einzelaufzucht gab es hingegen keine Verluste (Ballandat pers. MittL). Die Jungtiere erhalten zweimal pro Woche die üblichen Futtertiere in entsprechender Größe (siehe Barts et al. 2001).
Im Laufe der Jahre schlüpften drei Jungtiere mit verstümmelten Vorderfüßen. Die Zehen fehlten ganz oder waren miteinander verwachsen. Diese Geckos bewegten sich nicht laufend, sondern mit den Hinterbeinen springend vorwärts. Das Jagdverhalten entsprach dem normal entwickelter Jungtiere. Mehrere Futteraufnahmen und ein Wachstum wurden beobachtet, jedoch verendeten diese Jungen nach 2 bis 3 Monaten,
Der Versuch, ein frisch geschlüpftes Jungtiere über längere Zeit im Terrarium der Alttiere zu halten, ergab kein Aggressionsverhalten gegenüber dem Jungtier. Selbst im Versteckplatz der Adulti wurde es beobachtet. Auch konnte keinerlei Futterneid festgestellt werden. Zur besseren Kontrolle wurde das Jungtier nach einer Woche wieder dem Terrarium der Eltern entnommen. Bei Swatek (in litt.) gelang sogar eine komplette Aufzucht der Jungtiere im Terrarium der Eltern. Der Fortpflanzungszyklus endet Ende Herbst. Ein Separieren der Partner ist nicht erforderlich.
Gesunde Nachzuchttiere sind mit dem Ende des dritten Lebensjahres fortpflanzungsfähig, wobei die Weibchen mit der Ablage unbefruchteter Eier bereits im zweiten Lebensjahr beginnen.

Wenige Wochen altes Jungtier von Pachydactylus fasciatus.
© M. Barts
Pachydactylus fasciatus ist ein kleiner, schlanker Gecko mit abgeflachtem Körper. Die Ohröffnung ist klein und oval. An der Schnauze befinden sich kleine Körnchenschuppen. Am Hinterkopf sind diese etwas größer und mit kleinen, glatten, gekielten Tuberkelschuppen vermischt. Man zählt 8-9 obere und 7-8 untere Labialia. Unter der ersten Zehe befinden sich 6, unter der vierten Zehe 10 Lamellen. An Körper und Flanken finden sich Körnchenschuppen, zwischen denen große, stark gekielte Tuberkeln 16-18 mehr oder weniger regelmäßige Längsreihen bilden; an den Flanken sind erstere mehr kegelförmig. Die Ventralschuppen sind kleiner als die Dorsalia. Der Schwanz ist dünn, zylindrisch, zum Ende spitz zulaufend und durch sechs Reihen von gekielten, spitzen Tuberkelschuppen segmentiert (Boulenger 1888). Die Schwanzunterseite ist mit großen dachziegelartig angeordneten Schuppen bedeckt, wovon die mittleren stark vergrößert sind. Der Schwanz (bis 55 mm) ist länger als die Kopf-Rumpf-Länge (bis 43 mm). Der Rücken ist hellbraun bis gelblich braun mit drei und auf dem Schwanz mit 8-10 dunkel- bis schwarzbraunen Bändern. Von der Schnauze bis zum Nacken verlaufend umgibt ein brauner Streifen den Kopf. Die Kopfoberseite ist rötlich braun. Die Unterseite, einschließlich des Schwanzes, ist schmutzig weiß gefärbt (branch 1988). Bei den adulten Männchen des Verfassers konnte mit zunehmendem Alter eine Auflösung der markanten Bänderzeichnung festgestellt werden. Bei Jungtieren sind Färbung und Kontrast deutlicher ausgeprägt (besonders die schwarzbraune Bänderung des Rückens). Wie schon bei Barts, Boone & Hulbert (2001) für Pachydactylus tsodiloensis bemerkt, ist auch bei Pachydactylus fasciatus eine Unterscheidung der Geschlechter sehr schwierig. Die Zusammenstellung der Zuchtpaare erfolgte daher ausschließlich aufgrund von eingehender Beobachtungen des Territorialverhaltens der einzelnen Exemplare und den daraus gewonnenen Schlussfolgerungen.
Literatur
Barts, M. J. Boone & F. Hulbert (2001): Die Dickfingergeckos des südlichen Afrikas. Teil I. Die Haltung und Vermehrung von Pachydactylus tsodiloensis haacke, 1966 - SAURIA, Berlin, 26 (3): 3-10
Boulenger, G. A. (1888): On new or little-known South- African Reptiles - Ann. Mag. Nat. Hist., Ser. 6, 2: 136-141
Bauer, A. (1991): Notes on P. fasciatus, a poorly known Gecko from Northern Namibia - Jour. Herp. Ass. Afr., 39: 1-5
—, W. R. Branch & W. D. Haacke (1993): The herpetofauna of the Kamanjab area and adjacent Damaraland, Namibia - Madoqua, Windhoek, 18 (2): 117-145
Höller, E. & D. Stranz (ohne Jahr): Klima-Handbuch Afrika - Hamburg (Übersee Verlag): 96 S.
Mertens, R. (1946): Die Warn- und Drohreaktionen der Reptilien - Abh. Senckenb. naturf. Ges., Frankfurt/ M., 471: 1-108
Röll, B. (2001): MikroStrukturen der Eischalen von Geckos (Sauria: Gekkonoidea) - Gekkota, Thale, 3: 74-98
Originalbeschreibung / Original description
BOULENGER, G.A. (1888): On new or little- known South- African Reptiles. — Ann. Mag. Nat. Hist., Ser. 6, 2: 138 — Terra typica: Damaraland, South West Africa
Head oviform, very distinct from neck; snout a little longerthan the diameterof the orbit; ear-opening small, oval, not half the diameter of the eye. Snout covered with enlarged oval granules; hinder part of head with minute granules, intermixed with oval, smooth, or obtusely keeled tubercles; naso-rostrals in contact; eight or nine upper and seven lower labials; mental twice as long as broad, narrower than the neighbouring labials; no chin-shields. Upper parts covered with minute granules intermixed with large trihedral tubercles forming eighteen longitudinal series; ventral scales moderate. Digits dilated at the end; nine lamellae under the dilated part of the median toes. Tail with transverse series of pointed, keeled tubercles; lower surface with enlarged, imbricate, smooth scales. Pale brown above, with dark brown transverse bands, which are more distinct in the young than in the adult; a dark brown horseshoe-shaped streak round the back of the head and passing through the eyes; three cross bands on the body, the first and second very broad, the third across the sacrum, from eight to ten on the tail.
Total length: 107 mm
Head: 15 mm
Width of head: 10,5 mm
Body: 34 mm
Fore limb: 17 mm
Hindlimb: 22 mm
Tail: 58 mm
Closely allied to P. Bibonii; distinguished by a less stout habit, smaller size, smaller ear-opening, and in coloration.